Hier noch mein Zeugnis für unsere Kicker, das heute auch in der Fuldaer Zeitung zu lesen war. Blöd, dass Nachsitzen bei dieser WM nicht möglich ist…

Manuel Neuer: Unsicher beim Freistoß von Jung, im Nachfassen umso stärker gegen Son (19.). Erst noch gut mitspielend, ging die ansonsten so souveräne Nummer eins am Ende mit unter, sein Ballverlust in Spielmacherrolle vor dem 0:2 sorgte für den endgültigen K.o. – Note 4,5.

Joshua Kimmich: Sämtliche seiner gefühlt 20 Flanken misslangen. Bis auf eine Ausnahme: Die dickste deutsche Chance durch Goretzkas Kopfball (47.) legte der Münchner edel vor. Wirkte allerdings wie schon im ganzen Turnier überspielt, krampfig. – Note 5.

Niklas Süle: Solider Boateng-Ersatz. Feines Zuspiel auf Goretzka, das Räume öffnete (42.). Wusste am Ende allerdings nicht mehr, ob er vorne oder hinten besser aufgehoben ist. – Note 4.

Mats Hummels: Bester deutscher Spieler. Bei ihm war Premier-League-Torjäger Son – bis aufs 0:2 – in besten Händen. Pech beim Abschluss aus kurzer Distanz (39.). Stemmte sich als Einziger vehement gegen das Aus, versuchte sich in der Schlussphase sogar in der Offensive, besaß zwei klasse Kopfballchancen – doch es sollte nicht sein. – Note 3.

Jonas Hector: Zog gerne nach innen, oft gelang das Zusammenspiel mit Werner oder Reus jedoch nicht. In der zweiten Halbzeit unsichtbar. Außer Form. – Note 5.

Sami Khedira: Schon in der ersten Minute unterlief dem Rückkehrer der erste Ballverlust. Ständiger Unsicherheitsfaktor, wirkte von der Rolle. Kein Wunder, dass der Turiner als Erster weichen musste. Fraglich, ob er noch einmal in Weltmeister-Form kommt. – Note 5,5.

Toni Kroos: Chef im Mittelfeld, alles lief im Prinzip über den Madrilenen. Meist aber nicht in der gefährlichen Zone. Fand bei Eckbällen häufig keinen Abnehmer. Probierte es nach der Pause mit eher verzweifelten Fernschüssen. Erneut Wegbereiter zum Führungstreffer des Gegners. In der Schlussphase physisch und mental am Ende. – Note 4,5.

Leon Goretzka: Der Neu-Münchner musste sich beim WM-Debüt erst einmal reinfinden. Guter Einfall beim Zuspiel auf Reus (32.). Hatte immerhin die beste deutsche Möglichkeit kurz nach der Pause, mehr aber nicht. – Note 5.

Mesut Özil: Holte sich gerne die Zuspiele von Kroos ab, ging viele Wege, rochierte häufig mit seinen Nebenleute. Nur in Ansätzen ideenreich. Nach der Pause noch ein lichter Moment beim Doppelpass mit Reus (51.), danach nur noch Schatten. – Note 5,5.

Marco Reus: Hat der Dortmunder überhaupt mitgespielt? Versuchte durch Positionswechsel irgendwie ins Spiel zu kommen – vergeblich. Pech bei einem geblockten Abschluss (32.). Nach dem Zusammenspiel mit Özil weg vom Fenster. – Note 6.

Timo Werner: Mutig, aber nicht vom Glück verfolgt. Versuchte immerzu auf der linken Seite auf Touren zu kommen. Traf den Pfosten, wobei Hector vorher foul gespielt hatte (42.). Setzte einen Schuss nach der Pause einmal zu hoch an. Da geht mehr. – Note 4,5.

Mario Gomez: Kam für Khedira, fast schon gewohnt in einer kritischen Phase. Als Heilsbringer überfordert. – Note 5.

Thomas Müller: Müller war erneut Müllerchen. Holte sich durch seinen Fehlpass einen Rüffel vom Kollegen Hummels ab. Eine der größten Enttäuschungen im deutschen Kader. – Note 5,5.

Julian Brandt: Ihm war nicht mal ein Pfostenschuss vergönnt. – ohne Note.

Auch wenn die deutsche Mannschaft bereits wieder in die Heimat gereist ist: Für mich geht das Turnier noch weiter. Ich werde noch ein bisschen in das WM-Gastgeberland eintauchen. Dieses Unterfangen stand nach der Ankunft in Moskau allerdings kurzzeitig auf tönernen Füßen. Denn die Taxifahrt, der Fahrer war ein russischer Heinz-Becker-Verschnitt, war mit wild kaum zu beschreiben. Ständige Spurenwechsel, Nebeneinanderfahren auf einem Fahrstreifen, Missachten der Geschwindigkeitsbegrenzungen und eine nie dagewesene Ansammlung von Schimpfwörtern, die gegen sämtliche andere Verkehrsteilnehmer ausgesprochen wurden, prägten die 20-minütige Rückfahrt zurück zum Hotel durch den Moskauer Verkehr. Selbst ein Mensch, der beim Abbiegen des Taxis über den Zebrastreifen wollte, wurde kurzerhand zum Arschloch deklariert, die linke Hand des Fahrers war ständig im Begriff, wieder auf die Hupe zu hauen. Das Taxi selbst sah aus wie Hund, aber da ist der russische pragmatisch: Die Karre fährt, das reicht.