Wo soll denn das alles hinführen bei dieser WM? Ein Favorit nach dem anderen stolpert schon total früh aus dem Turnier, mit England, Brasilien und Frankreich sind nur noch drei von zwölf Mannschaften, die noch dabei sind, schon einmal Weltmeister geworden. Der Gastgeber Russland ist auf jeden Fall jetzt voll im Flow, hat sich gegen Spanien tatsächlich zum Sieg nach Elfmeterschießen verteidigt. Das waren einfach Leidenschaft, Konzentration und Konsequenz in Vollendung. Anders die Spanier, die – ähnlich wie die Deutschen – zwar immer den Ball haben wollten, aber selbst aus 1114 Pässen (Rekord seit erstmaliger Erfassung der Daten in 1966) kaum etwas machten. Das Spiel der Iberer war zudem zu sehr auf Isco zugeschnitten. Mehr Analyse auch im Video. Am Vormittag war ich mit den Kollegen von Sport1 am Roten Platz und haben deren Schalte in den Doppelpass verfolgt. Da waren die Russen noch ganz reserviert, schon das Achtelfinale haben nicht wirklich viele Menschen hier der Sbornaja zugetraut. Vielleicht auch die richtige Herangehensweise für das Viertelfinale gegen Kroatien, schließlich kann man ja nur positiv überrascht werden.

Richtig spannend war es, nach dem Spiel mal ein Pressekonferenz mit Trainer zu hören, die nicht Joachim Löw heißt. Und was soll ich sagen? Die PKs sind bei weitem nicht so steif gewesen wie die der Deutschen, vor allem Russlands Trainer Stanislav Cherchesov ist ein großartiger Entertainer. Schon nach der ersten Frage holte er erst einmal einen Kollegen aus Peru aufs Podest, der ihm wohl schon länger vorausgesagt hatte, dass Russland weit kommt und hatte gleich ein Trikot für den Kollegen parat, Küsschen inklusive. Völlig verrückt. Und dann legte Cherchesov noch ein paar gute Sprüche nach: Er sagte beispielsweise, dass er gegen Spanien nur ganz reserviert auf Tore und Sieg reagiert hätte, “weil ich mir das noch für die nächsten Spiele aufsparen will. Es wird noch mehr Möglichkeiten dafür geben.” Aufs Favoritensterben angesprochen, bekannte der Coach der Sbornaja, dass ihm vor allem das deutsche Aus geschmerzt habe. Jogi Löw sei seit gemeinsamen Innsbrucker Spielerzeiten ein Freund für ihn, außerdem ist Cherchesovs Sohn, der 54-Jährige hütete ja mal das Tor in Dresden, in Deutschland geboren. Cherchesovs Gegenüber Fernando Hierro hingegen verteidigte seine Taktik (“Auch wenn der Trend dahingeht, das mit fünf Mann in der Abwehr dicht gestanden und dann schnell umgeschaltet wird: Wir haben einfach die Spielertypen für Ballbesitzspiel”) und auch die Entscheidung, Andres Iniesta erst mal auf der Bank zu lassen: “Es war uns schon vorher bewusst, dass es ein langer Abend werden könnte und wir Andres noch in einer wichtigen Phase des Spiels brauchen würden.” Während Iniesta (leider) sein Karriereende am “bittersten Tag meiner Karriere” beendete, ließ Hierro, drei Tage vor dem Turnier als Interimscoach installiert, seine Zukunft offen.